Ein Einfamilienhaus aus den späten 1970er-Jahren in Rickenbach zeigt, wie sich bestehende Architektur weiterdenken lässt. Statt das Gebäude grundlegend zu verändern, nutzte das Planungsteam die vorhandenen Qualitäten und entwickelte ein zeitgemässes Wohnhaus.



Das Einfamilienhaus wurde in den Siebzigern erbaut. Etwa fünfzig Jahre später bekamen die Fassade und das Innere ein grundlegendes Update. Der Wohnbereich im Erdgeschoss sollte offener und grosszügiger werden und um ein Zimmer wachsen. Auch der von der auffälligen Dachform geprägte Raum im Obergeschoss sollte künftig besser ausgenützt werden. Ebenso wichtig war der Bauherrschaft ein zeitgemässeres Erscheinungsbild, innen wie aussen – insbesondere der Eingang sollte einladender wirken. Der Charakter des Hauses sollte dabei erhalten bleiben: Die markante Volumensprache der 1970er-Jahre und Teile der bestehenden Dachkonstruktion bildeten die Grundlage für den Umbau.
Raumaufteilung und Raumordnung
Das räumliche Konzept stand bereits zu Beginn der Planung fest – angepasst wurde im Verlauf lediglich die Erschliessung zum Wohnbereich. So verlief die Konstruktion selbst nahezu reibungslos. «Die grösste Herausforderung war es, den vorgegebenen Budgetrahmen einzuhalten», sagt Jüge Rüdlinger vom Architekturbüro Skizzenrolle.
Der stärkste Eingriff erfolgte im Erdgeschoss. Die frühere Raumaufteilung wich einer neuen Organisation, die den Wohnbereich spürbar erweitert und öffnet. Die Erschliessung wurde neu gedacht, sodass ein weiteres Zimmer hinzugefügt werden konnte. Wo früher einzelne Räume voneinander getrennt waren, ergeben sich heute fliessende Übergänge und grosszügige Sichtbeziehungen. Das Haus wirkt dadurch heller und weitläufiger, ohne dass sich sein Volumen verändert hätte.
Auch im Dachgeschoss veränderte sich die Ordnung der Räume: Das Schlafzimmer mit eigenem Bad liegt heute dort, wo zuvor eine Galerie war. «Einen Umbau mit dieser Dachform hatten wir zuvor noch nie», beschreibt der Architekt die Aufgabe. Die ungewöhnliche Dachform stellte hohe Anforderungen an die Planung, gleichzeitig liess sich der vorhandene Raum dadurch deutlich besser einbeziehen. Ergänzt wird das Raumprogramm durch ein grosszügigeres Gäste-WC mit einer weiteren Duschmöglichkeit im Haus, die bei Bedarf genutzt werden kann.
Der rote Faden im Haus
Ein Material prägt sämtliche Bereiche des Hauses: Eichenholz. Es zeigt sich als Bodenbelag ebenso wie in der Garderobe, den Unterbaumöbeln, dem Sitzfenster und den Küchenfronten mit ihren Griffmulden. Selbst die bestehende Dachkonstruktion wurde gebürstet und farblich an das Holz angepasst. So ergibt sich ein ruhiges Gesamtbild, das Alt und Neu zu einer Einheit verbindet.
Technisch wurde das Haus ebenfalls umfassend erneuert: Die früheren Elektrospeicheröfen wichen einer aussen aufgestellten Luft-Wärmepumpe und neue Holz-Metall-Fenster verbessern die Energieeffizienz. Im Erdgeschoss kam ein neuer Bodenaufbau mit Dämmung und Parkett hinzu, während im Obergeschoss die bestehende Konstruktion weitergenutzt und mit neuen Oberflächen versehen wurde.
Der Umbau zeigt exemplarisch, dass Modernisierung und zeitgemässes Wohnen nicht zwingend Anbauten, Beton oder ein grösseres Volumen bedeuten. Entscheidend ist der sorgfältige Umgang mit dem Bestand. Die ursprüngliche Architektur bleibt ablesbar, gewinnt aber an Komfort, Offenheit und Frische. Charakteristische Elemente des Hauses wurden bewahrt, gleichzeitig ist ein Zuhause entstanden, das heutigen Wohnbedürfnissen entspricht.
Aus einem Gebäude mit ungenutztem Potenzial wurde ein Ort, der Grosszügigkeit, Funktionalität und Identität verbindet – ganz nach dem Fazit des Planungsteams: «Wenn aus wenig viel wird.»
Architektur
Skizzenrolle


Mehr Einblicke in den Ausbau gibt es in der Ausgabe 3/26 vom Magazin HÄUSER MODERNISIEREN.
Text: Fiona Scotoni, Fotos: Heider Stutz
aus dem Magazin: Häuser modernisieren, Zeitschrift Nr. 3/2026