Umbau: Landhaus Wolfsruh

Landliebe mit Geschichte

In einer ehemaligen Schweizer Siedlung im Norden Berlins verwandelte ein Paar einen Hof in ein Refugium voller Geschichte.

Auf dem Hof in Brandenburg hatte sich einst ein Schweizer als Landwirt niedergelassen. Heute erzählen im Landhaus Wolfsruh alte Holzbalken, Lehmwände und historische Details von vergangenen Jahrhunderten.
Auf dem Hof in Brandenburg hatte sich einst ein Schweizer als Landwirt niedergelassen. Heute erzählen im Landhaus Wolfsruh alte Holzbalken, Lehmwände und historische Details von vergangenen Jahrhunderten.
Die originalen Bodenfliesen wurden aufgearbeitet und erneut verwendet. Solche Details spiegeln den ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand wider.
Die originalen Bodenfliesen wurden aufgearbeitet und erneut verwendet. Solche Details spiegeln den ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand wider.
Hinter zahlreichen Verkleidungen kamen bei der Sanierung die ursprünglichen Lehmoberflächen zum Vorschein. Heute prägen sie das Erscheinungsbild vieler Räume.
Hinter zahlreichen Verkleidungen kamen bei der Sanierung die ursprünglichen Lehmoberflächen zum Vorschein. Heute prägen sie das Erscheinungsbild vieler Räume.

Eingebettet zwischen Seen, Wäldern und Wiesen befindet sich ein malerisches Dorf, das etwa 150 Einwohner zählt. Der Charakter ist rustikal: Höfe, Gärten und Landwirtschaft prägen die Umgebung. Bekannt sind hier unter anderem Schloss Rheinsberg und der Stechlinsee, einer der saubersten Seen Deutschlands. Hier steht ein Dreiseitenhof, dessen Geschichte bis mindestens 1760 zurückreicht. Zum Anwesen gehören das ursprüngliche Haupthaus, ein Anbau, ein Stallgebäude und eine Scheune aus dem Jahr 1820.

Heute ist der Hof ein lebendiger Treffpunkt für Familien, Freundesgruppen und alle, die sich auf dem Land entspannen wollen. Der Weg dorthin war jedoch lang und verlangte von den Eigentümern nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Ausdauer, Mut und die Bereitschaft, sich auf die Besonderheiten eines historischen Gebäudes einzulassen. 

Aus Freude am Prozess 
Die Eigentümer verbindet eine Leidenschaft für alte Häuser und das Leben auf dem Land. Bereits 2008 begannen sie – etwas stadtmüde geworden und auf der Suche nach einem Gegenpol zum urbanen Alltag – nach einem passenden Objekt auf dem Land zu suchen. 2010 fanden sie ihren ersten Dreiseitenhof in Brandenburg, in den sie sich sofort «schockverliebten». Sie setzten das Gebäude weiter instand und vermieteten es zeitweise als Landhaus. Die positiven Erfahrungen mit Gästen und die Freude an der Entwicklung historischer Gebäude weckten den Wunsch nach einem neuen, grösseren Projekt.

Im Sommer 2015 stiessen sie schliesslich auf den Hof in Wolfsruh. Die Geschichte des Ortes reicht bis mindestens 1760 zurück, als sich drei Schweizer Brüder in der Region niederliessen und dort ihre Höfe errichteten. Einer davon ist jener, den die Eigentümer umgebaut haben. 

Für die Bauherrschaft war der Charme des Ensembles sofort spürbar. Gleichzeitig war klar, dass umfangreiche Arbeiten notwendig sein würden. Hinter dem historischen Erscheinungsbild verbarg sich ein Gebäude, das über Generationen hinweg immer wieder verändert, ergänzt und überformt wurde. Viele Bauteile entsprachen längst nicht mehr den Anforderungen an modernes Wohnen, und der tatsächliche Zustand des Hauses liess sich aufgrund der zahlreichen vergangenen Umbauten zunächst nur erahnen. 

Mehr als nur ein Ferienobjekt 
Von Beginn an stand für die Bauherrschaft fest, dass der Hof nicht zu einem beliebigen Ferienobjekt werden sollte. Das Ziel war, einen Ort zu erschaffen, der zugleich Gemeinschaft und Rückzug ermöglicht, während die Identität bewahrt wird. Eine Idee bildete den Kern des Projekts: Ein Haus für grössere Gruppen. Familien, die über verschiedene Länder verteilt leben, sollten hier ebenso zusammenkommen können wie Freundeskreise oder kleine Unternehmen auf der Suche nach einem inspirierenden Ort für Workshops, Offsite-Meetings und Retreats. Der Hof versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Partylocation, sondern als Ort der Begegnung für Menschen, die Ruhe und Gemeinschaft suchen.

Entsprechend liegt der Fokus des Konzepts weniger auf möglichst grossen Schlafkapazitäten als auf vielfältigen Gemeinschaftsbereichen mit unterschiedlichen Qualitäten und Stimmungen. Gleichzeitig bietet das weitläufige Gelände zahlreiche Möglichkeiten zum Rückzug. Zudem spielte Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Wo immer es möglich war, sollten die alten Materialien erhalten oder wiederverwendet werden. Zum Einsatz kamen natürliche Baustoffe, die heute das Raumklima verbessern und den Charakter des Hauses unterstreichen. Die technische Ausstattung hingegen wurde auf einen modernen Stand gebracht. Ziel war eine Balance zwischen Vergangenheit und Gegenwart. 

Schon kurz nach Baubeginn wurde deutlich, wie anspruchsvoll das Vorhaben tatsächlich sein würde. Die ersten Monate bestanden vor allem aus Rückbauarbeiten. Zahlreiche Verkleidungen, Zwischenschichten und spätere Einbauten mussten entfernt werden, um den ursprünglichen Kern des Gebäudes freizulegen. Schicht für Schicht kam dabei die Geschichte des Hauses zum Vorschein.

Die ehemalige Scheune dient heute als Gemeinschafts- und Seminarraum. Neue Holzkonstruktionen kamen zur bestehenden Bausubstanz dazu.
Die ehemalige Scheune dient heute als Gemeinschafts- und Seminarraum. Neue Holzkonstruktionen kamen zur bestehenden Bausubstanz dazu.
Viele originale Bauteile blieben erhalten und wurden behutsam in die neue Nutzung integriert. Die aufgearbeiteten Türen und Holzböden machen die Geschichte des Hauses sichtbar.
Viele originale Bauteile blieben erhalten und wurden behutsam in die neue Nutzung integriert. Die aufgearbeiteten Türen und Holzböden machen die Geschichte des Hauses sichtbar.

Die komplette Reportage gibt es in der Ausgabe 3/26 vom Magazin HÄUSER MODERNISIEREN zu lesen.

Text: Fiona Scotoni und Christian Herschmann  /  living4media, Fotos: Giulia Maretti  /  living4media, Styling: Magdalena Lindstedt  /  living4media
aus dem Magazin: Häuser modernisieren, Zeitschrift Nr. 3/2026

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