Architektin Elisabeth von Mann verwandelte einen jahrhundertealten Stall in ein aussergewöhnliches Wohnhaus. Nur: Das sieht man von aussen gar nicht.


Ortsbildprägende Gebäude sind nicht einfach Teil ihrer Umgebung. Sie sind so charakteristisch für die Szenerie, dass sie zur Identität der Region gehören. Man könnte sagen, sie sind Teil der Tradition und des kulturellen Erbes. Um diese Eigenschaften zu erhalten, darum kümmert sich die Denkmalpflege. So wie bei einem Rundholzstall in Sagogn im Kanton Graubünden. Der 200 bis 300 Jahre alte Stall musste von aussen exakt so bleiben, wie er ursprünglich war. Architektin Elisabeth von Mann schreckte das nicht ab – sie hatte eine Vision.
Pionierarbeit Elisabeth von Mann zog vor über 14 Jahren in die WG ihres Partners in Sagogn. Das Haus war in einem miserablen Zustand. Und der war so schlimm, «dass man Angst hatte, beim Feiern einen Stock weiter unten zu landen». Als die damalige Besitzerin, eine ältere Dame, die in Bern wohnte, das Haus nicht mehr wollte, nahmen sich die junge Architektin und ihr Partner der Casa Cochetta an. Es war ihr erstes Projekt in Graubünden und zu dem Haus gehörte ein Stall.
2017: Der Bund lockerte die Gesetzeslage in Bezug auf Zweitwohnsitze: Ortsbildprägende Gebäude durften unter bestimmten Voraussetzungen zu solchen umgenutzt werden – so auch der Rundholzstall Cochetta. Eigentümer des Stalls ist der Lebenspartner von Elisabeth von Mann und gemeinsam gingen sie das Pilotprojekt an.
Nach der Lockerung waren sie die Ersten, die so eine Sanierung machen wollten. Im Umkehrschluss heisst das: Niemand vor ihnen hat unter denselben Auflagen so ein Projekt realisiert. Natürlich fanden bereits Sanierungen anderer Ställe statt, doch nicht unter den strengen Richtlinien, dass das Gebäude von aussen exakt so bleiben musste, wie es ursprünglich war. So wussten auch die Gemeinde und der Bauberater anfangs nicht, wie am besten vorzugehen sei. Als das Paar an die Denkmalpflege verwiesen wurde, kam der Stein ins Rollen. Jedoch nur sehr langsam. Vom Start beim Bauamt an bis zur Eingabe der Baubewilligung vergingen drei Jahre. Zur ungefähr gleichen Zeit erschien auch die Wegleitung «Geschützte und ortsbildprägende Bauten» vom Amt für Raumentwicklung in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Elisabeth von Mann vermutet, dass ihre Erarbeitung eine massgebliche Rolle gespielt hat. «Wir haben in dem Prozess sehr viele Details entwickelt. Und auch für unsere sehr erfahrenen Fachplaner, wie den Bauphysiker und den Bauingenieur, war vieles neu.», erzählt die Architektin.
Upgrade der Bausubstanz
Als ihr Antrag bewilligt wurde, ging es erst richtig los. Entwickelt wurde ein Haus-in-Haus-System. Die Aussenhülle, der ortsbildprägende Teil, musste erst mal saniert werden. Aus dem Hang, an dem der Stall steht, drang Feuchtigkeit ein. Es musste ein sauberes Abdichtungssystem und eine Drainageschicht her, um das Hangwasser abzuleiten. Schliesslich wurden die Wände mit Sumpfkalkputz versehen, welcher feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften hat.
Es mussten auch einige der charakteristischen Hölzer ersetzt werden. Für die architektonische Organspende kaufte der Zimmermann das ganze Holz eines anderen Stalls auf, der abgebrochen werden sollte. Elisabeth von Mann meinte dazu: «Da muss man zuerst auch noch jemanden finden, der seinen Stall abreisst.» Aber es wäre auch gar nicht anders gegangen, denn es handelte sich um eine Auflage des Denkmalschutzes. Die teils riesigen Rundhölzer wurden anschliessend mit einer Art Wagenheber ausgewechselt – ein abenteuerliches Unterfangen.
Architektur
Elisabeth von Mann
Von Mann Architektur GmbH


Die komplette Reportage ist in der Ausgabe 1/26 vom Magazin HÄUSER MODERNISIEREN zu lesen.
Text: Fiono Scotoni, Fotos: Elisabeth von Mann und Arnd Wiegmann
aus dem Magazin: Häuser modernisieren, Zeitschrift Nr. 1/2026