Eine Architektin setzt sich für den Erhalt bestehender Gebäude und die Wiederverwendung von Baumaterialien ein. Der neue Dokumentarfilm «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit» porträtiert die Visionärin.


Bestand abreissen und für die Nachhaltigkeit ein grünes, neues Haus bauen. Gemäss der Basler Architektin Barbara Buser ist das jedoch alles andere als nachhaltig. Die Schweizer Bauwirtschaft verbraucht jedes Jahr gewaltige Mengen an Rohstoffen. Und selbst ein energieeffizienter Neubau ist in der Anfangsphase nicht wirklich ökologisch: Zement herstellen, Material transportieren und bauen benötigt Energie und verursacht CO2.
Architektin und Pionierin
Der Dokumentarfilm «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit» porträtiert eine Frau, die diesem System seit Jahrzehnten Paroli bietet. Nach ihrem Architekturstudium an der ETH arbeitete Buser zehn Jahre in Afrika, vor allem im Sudan und in Tansania. Dort baute sie Brunnen und renovierte Gebäude. Vor allem aber lernte sie, mit knappen Ressourcen zu arbeiten. Zurück in der Schweiz, erschien ihr der hiesige Umgang mit Baumaterial verschwenderisch.
Ihre Antwort ist das zirkuläre Bauen: Gebäude sollen möglichst erhalten und weiterentwickelt werden. Man verwendet Bauteile wieder, statt sie abzureissen und etwas von Grund auf Neues zu bauen. Gemeinsam mit Eric Honegger gründete Buser das Baubüro in situ und später weitere Unternehmen. Dass ihr Ansatz auch im grossen Massstab funktioniert, zeigt etwa das Gundeldinger Feld in Basel: Aus einer ehemaligen Maschinenfabrik entstand ein lebendiges Quartierzentrum mit Gewerbe, Gastronomie und Kultur. Damit stellt Buser nicht nur gängige Vorstellungen vom Bauen infrage: Als Frau hat sie sich in einer lange von Männern geprägten Branche durchgesetzt. Zugleich steht sie für eine Architektur, bei der nicht das spektakuläre Einzelwerk, sondern Erhalt, Gemeinschaft und Fürsorge im Zentrum stehen.
Der nicht finanzielle Wert
Die Architektin denkt dabei nicht nur ökologisch. Hinter ihrer Arbeit steht die Idee einer «Caring Economy»: Wirtschaft soll nicht allein Profit erwirtschaften, sondern auch Verantwortung für Menschen, Gemeinschaft und Umwelt übernehmen. Buser bezeichnet diesen nicht finanziellen Mehrwert als «Stadtrendite»: Ein Projekt soll seinen Wert nicht allein monetär beweisen, sondern auch gesellschaftlich. Dieser Mehrwert ist für die ganze Stadt, nicht nur für einzelne Eigentümer – Begegnung, Kultur, Lebensqualität und öffentlicher Raum.
Aus der einst ungewöhnlichen Idee ist längst ein Erfolg geworden. Buser wurde unter anderem mit dem Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet. Dazu beschäftigen die von ihr und Honegger aufgebauten Unternehmen über 100 Menschen.
Mehr als Architektur Regisseurin
Gabriele Schärer begleitet Barbara Buser mit der Kamera, blickt auf ihre Biografie und zeigt, wie ihre Ideen weiterleben sollen. Denn die Architektin ist bereits 72 Jahre alt, und beschäftigt die Frage, wie es mit ihrer Arbeit für das zirkuläre Bauen weitergehen soll. Der Film ist mehr als eine reine Architektur-Doku und stellt auch eine Frage an jeden Einzelnen: Warum werfen wir weg, was noch gebraucht werden kann – gerade in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit dringlicher ist denn je?
Sehenswert ist er für alle, die sich für Nachhaltigkeit und Architektur interessieren – und für Biografien aussergewöhnlicher Schweizerinnen, die zeigen, dass Veränderung nicht mit einer grossen Theorie beginnen muss. Manchmal beginnt sie damit, ein Gebäude einfach nicht abzureissen.
Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit
Dokumentarfilm von Gabriele Schärer
Sulaco Film GmbH
Schweiz 2026
118 Minuten
Mehr Inspirationen für nachhaltiges Umbauen gibt es in der Ausgabe 3/26 vom Magazin HÄUSER MODERNISIEREN.
Text: Fiona Scotoni, PD
aus dem Magazin: Häuser modernisieren, Zeitschrift Nr. 3/2026