Das Schweizer Magazin für Umbauen und Erneuern

Mutig und respektvoll renoviert

Lage und Seesicht stimmten, doch innen und aussen war das einst stattliche Haus nicht mehr schön anzusehen. Respektvoll und umsichtig renoviert bekam es seine Würde zurück und viel Wohnraum dazu.

Die Küche in Nussbaumholz, entworfen vom d/a/x Atelier für Architektur AG. Im Hintergrund der ehemalige Balkon, neu Teil des Wohnraums.
Die Küche in Nussbaumholz, entworfen vom d/a/x Atelier für Architektur AG. Im Hintergrund der ehemalige Balkon, neu Teil des Wohnraums.
Das Treppenhaus wurde zum Herzstück.
Das Treppenhaus wurde zum Herzstück.
Für das Treppenhaus wurden fehlende Elemente nachgebaut und ergänzt. Jetzt verbindet es, einheitlich gestaltet, alle vier Etagen.
Für das Treppenhaus wurden fehlende Elemente nachgebaut und ergänzt. Jetzt verbindet es, einheitlich gestaltet, alle vier Etagen.
Das Dachgeschoss, früher Abstellraum, wurde geöffnet und zum Master Bedroom umgestaltet.
Das Dachgeschoss, früher Abstellraum, wurde geöffnet und zum Master Bedroom umgestaltet.
Gebaut in den 1930er Jahren, renoviert 2017.
Gebaut in den 1930er Jahren, renoviert 2017.

Lage und Aussicht kann man bei einem Umbau nicht verändern. Fast alles andere schon, wenn man sich Zeit nimmt, den Aufwand nicht scheut und die richtigen Partner für den Umbau findet. Wenn also Lage und Aussicht stimmen, lohnt sich eine nähere Prüfung, selbst dann, wenn ein Haus nicht alle Wünsche auf den ersten Blick erfüllt, wie in diesem Fall.

Intensiv gesucht
Viele Monate hatte die Suche nach einem passenden Objekt gedauert, bis die Bauherrin bei ihren Internetrecherchen auf dieses stiess. In der bisherigen Wohngemeinde, wie gewünscht, um der Tochter einen Schulwechsel zu ersparen. Ein Haus am Hang, erschlossen über das zweite von vier Geschossen, von oben von der Kantonsstrasse her. Mit einer Bilderbuch-Seesicht so atemberaubend, dass es den Namen «Bellevue» verdient hätte. In einem schönen Zustand war es leider nicht. Um 1930 als Einfamilienhaus errichtet, hatte es einige Besitzerwechsel hinter sich und wurde zuletzt eher lieblos in Geschosswohnungen aufgeteilt, mit unschönen Trennungen und Umbauten, als Renditeobjekt vermietet. Dann stand es einige Zeit leer. Der neue Besitzer plante einen Umbau, entschied sich dann anders und schrieb das Haus mitsamt Vorprojekt zum Verkauf aus.

Vorprojekt durchgefallen
Das Vorprojekt gefiel der Interessentin ganz und gar nicht. Die gesamte Wohnebene sollte zum See hin geöffnet und verglast werden, «kein Raum zum Wohlfühlen, und von aussen wie ein grinsendes Gesicht». So nicht, befand sie und suchte nach einem Experten, der die Bausubstanz beurteilen und andere Ausbauideen ins Spiel bringen sollte. In Pierre-Yves Rünzi, Partner im Zürcher d/a/x Atelier für Architektur AG, fand sie den richtigen Ansprechpartner. Das Büro ist auf die Renovation von denkmalgeschützten Häusern, zeitgemässe Umbauten und anspruchsvolle Innenausbauten spezialisiert, der Gasthof «Hirschen» in Eglisau gehört zu den bekannteren Referenzobjekten. Rünzi kannte das zu prüfende Haus, er war schon oft daran vorbeigefahren, es war für ihn «das hässlichste Haus an der ganzen Strasse». Zuerst verschaffte er sich einen Eindruck, dann übernahm er den Auftrag.

Doch der Reihe nach: Bei so einem Auftrag gehe es nicht nur ums Projekt, so der Architekt. Es gehe um das Haus und die Leute. Er stelle jeweils die Kernfrage: «Spricht man die gleiche Sprache?». Wenn nicht, ziehe er sich lieber zurück und überlasse den Auftrag anderen. In diesem Fall war die Sache mit der gemeinsamen Sprache rasch geklärt.

Herzstück Treppenhaus
«Der Bauherr muss Mut haben auf der Suche nach dem roten Faden, er muss dem Haus beim Umbau ein Herzstück zurückgeben», sagt Rünzi. In diesem Fall ist das Herzstück das Treppenhaus, das nicht durchgehend einheitlich war. Fehlende Elemente wurden nachgebaut und ergänzt. Jetzt erstreckt sich ein wunderschönes weisses Holzgeländer über alle vier Etagen, nie käme ein Besucher auf die Idee, es sei je anders gewesen. Der unterste, vorher abgetrennte Stock wird nicht mehr als Keller empfunden, sondern als vollwertiger Wohnraum wahrgenommen. Aus dem Kellergeschoss ist ein Gartengeschoss mit Loggia und Sauna geworden.

Das Haus wurde mit viel Respekt renoviert, es verbindet jetzt herrschaftliche Würde mit modernem Komfort. Wie das Ergebnis aussieht, ist im Magazin HÄUSER MODERNISIEREN zu lesen. Die Ausgabe 4/2018 lässt sich online bestellen.

Text: Christine Vollmer, Fotos: Frank Blaser
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 4/2018

Architektur:
d/a/x Atelier für Architektur AG
Pierre-Yves Rünzi
Röntgenstrasse 44
8005 Zürich
Tel. 044 440 07 07
www.daxarchitektur.ch

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