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Dem historischen Gebäude neues Leben eingehaucht

Mehr als 60 Jahre stand es unbewohnt und leer, das historische Gebäude im Dorfkern des Bündnerischen Valendas. Dann erweckten die Architekten Ramun Capaul und Gordian Blumenthal das Haus sanft aus dem Dornröschenschlaf. Und das restliche Dorf ist gleich mit erwacht. Eine wahre Geschichte. Die Architekten berichten.

 
 
Das Türalihuus steht prominent in der Nähe des Dorfplatzes. Es heisst so, weil ein Treppenturm, das Türali, an der einen Hausseite hochragt. Und nicht nur das alte Haus war über die Jahre vereinsamt, viele Bewohner hatten in dieser Zeit dem Dorf den Rücken gekehrt. Der kleine Ort im Safiental drohte fast auszusterben. Umtriebige Bürger formierten sich 2004 zum Verein «Valendas Impuls» mit dem Ziel, das Dorf wieder zu beleben. Ein Jahr später wurden die Architekten Capaul und Blumenthal vom Bündner Heimatschutz mit einer Machbarkeitsstudie zum Türalihuus beauftragt. 
Das Türalihuus steht prominent in der Nähe des Dorfplatzes. Es heisst so, weil ein Treppenturm, das Türali, an der einen Hausseite hochragt. Und nicht nur das alte Haus war über die Jahre vereinsamt, viele Bewohner hatten in dieser Zeit dem Dorf den Rücken gekehrt. Der kleine Ort im Safiental drohte fast auszusterben. Umtriebige Bürger formierten sich 2004 zum Verein «Valendas Impuls» mit dem Ziel, das Dorf wieder zu beleben. Ein Jahr später wurden die Architekten Capaul und Blumenthal vom Bündner Heimatschutz mit einer Machbarkeitsstudie zum Türalihuus beauftragt. 

Wie habt Ihr das Haus damals vorgefunden? Das Türalihuus hat ja eigentlich Glück, dass es in einem Dorf steht, welches zwei Monate pro Jahr im Schatten liegt. Stünde es auf der Sonnenseite des Tals, hätte es bestimmt schon mehrfach die Hand gewechselt und wäre wohl entsprechend verbaut gewesen. Die Tatsache, dass das Haus zwar etwas verfallen, dafür aber in seiner historischen Bausubstanz unverändert war, empfanden wir als äusserst positiv. Vom 15. Jahrhundert bis 1775 hat es fünf wichtige Bauphasen durchlebt, bis es zu jenem markanten Turmhaus gewachsen ist. Stark geprägt ist es sicherlich von der letzten Bauphase; fragmentarisch zeigt es aber sämtliche Epochen.

Das Haus wurde von Euch mit viel Sorgfalt behandelt. Nebst dem Einbau von Nasszellen und zeitgemässen Küchen wurde hauptsächlich restauriert und repariert. War diese Zurückhaltung denkmalschützerisch vorgegeben?

Nein, gar nicht. Wir waren mindestens so konsequent wie der Denkmalschutz. Es lag uns wirklich am Herzen, das Haus zu bewahren. Uns hat das Rekonstruieren einer einzelnen Epoche nicht interessiert. Die Verwitterung, die Spuren des Gebrauchs und der Erosion über die Jahrhunderte, das Nebeneinander von Fragmenten mehrerer Bauepochen, das hat uns fasziniert und dem wollten wir Raum geben. Die Planungs- und Bauphase dauerte von 2006 bis 2014. Wir durften uns also Zeit lassen und konnten so auch mit den Handwerkern das Haus richtiggehend erforschen. Die Grundrisse haben wir nicht verändert: Bestehend gab es zwei Kochstellen im Haus, es lag auf der Hand, dass hier wieder die Küchen sein werden. Aus ehemaligen Lagerräumen wurden Schlafkammern und Nasszellen. Oberflächen wurden gereinigt und repariert. Nirgends wurde geschliffen oder grossflächig neu bemalt. So wurden zum Beispiel die Farbschichten an den Wänden und den Decken in der unteren Stube ausschliesslich mit Leinöl und Bügeleisen behandelt. Energetisch funktionierte das Haus stets sehr gut. Bei den Fenstern haben wir die Einfachverglasungen beibehalten und auch da nur repariert, wo nötig. Im Winter werden wie einst die Vorfenster zum Schutz vor Kälte montiert. Einzig in der unteren Wohnung haben wir an den Wänden in zwei Zimmern einen Dämmputz aus Sumpfkalk und Bimsstein angebracht. Die Kellerwände und der Dachboden sind ebenfalls gedämmt. Ein zentraler Pellet- ofen temperiert heute die Wohnungen über die neuen Heizkörper. Die bestehenden Holzöfen sind – bis auf einen Ofen im Badezimmer – ebenfalls wieder funktionstüchtig; so kann nach Bedarf auch einmal richtig eingeheizt werden. Der Energieverbrauch des alten Hauses ist sicher nicht nach Minergiestandard, der Aufwand wäre unverhältnismässig gewesen, er liegt aber absolut im Rahmen.

Architekten wohnen gemäss unserer persönlichen Statistik auffallend häufig in alten Häusern und nur selten in selbst geplanten Neubauten. Wie ist das bei Euch?
Tatsächlich lebt der eine von uns in einem sehr alten Haus in der Surselva. Es ist ein kleiner, mittelalterlicher Wohnturm aus dem 14. Jahrhundert, jedes Zimmer befindet sich auf einem anderen Geschoss. Der andere wohnt in Ilanz, in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert, das in den 1980er Jahren vom berühmten Bündner Architekten Rudolf Olgiati umgebaut wurde. (Anmerkung der Redaktion: Im Erdgeschoss beherbergt dieses Haus zudem das «Cinema Sil Plaz»; Kino und Kulturort mit Bühne und Bar, ebenfalls ein Werk von Capaul und Blumenthal.) Die beiden Wohnungen im Türalihuus können über die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» das ganze Jahr über wochenweise gemietet werden.

www.magnificasa.ch

 
 
 
 
Gordian Blumenthal (links) und Ramun Capaul, beide ETH Architekten. Die beiden führen seit 2000 ein gemeinsames Architekturbüro in Ilanz/GR.
Gordian Blumenthal (links) und Ramun Capaul, beide ETH Architekten. Die beiden führen seit 2000 ein gemeinsames Architekturbüro in Ilanz/GR.
 
 

Text: Claudia Nussbaumer, Fotos: Laura Egger
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 4/2018

Bezugsquelle:
Capaul & Blumenthal architects
Via dalla Posta 1
7130 Ilanz / Glion
info@capaulblumenthal.ch
Tel. 081 925 10 90

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