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Die Geschichte weiterschreiben: Umbau von Wohnhaus

Seit 17 Jahren führen Christoph Flury und Lukas Furrer erfolgreich ein kleines, feines Architekturbüro in Zürich. Parallel zu ihrem Schaffen als Architekten sind beide im Umfeld des Sitterwerks und der Kunstgiesserei in St. Gallen im Kunstbereich tätig. Im Gespräch verraten Flury und Furrer, inwieweit die Nähe zur Kunst ihr architektonisches Werk beeinflusst.

 
 
Das Haus aus den 1930er Jahren besitzt relativ geringe Grundmasse und entwickelt sich eher in die Höhe.zoom
Das Haus aus den 1930er Jahren besitzt relativ geringe Grundmasse und entwickelt sich eher in die Höhe.
 
 
Mit präzis gesetzten Öffnungen schufen Flury + Furrer Bezüge zwischen den einzelnen Nutzungsberei­chen.
Mit präzis gesetzten Öffnungen schufen Flury + Furrer Bezüge zwischen den einzelnen Nutzungsberei­chen.
Die Räume gehen ineinander über, bleiben aber klar ablesbar.
Die Räume gehen ineinander über, bleiben aber klar ablesbar.
 
 
 
Flury + Furrer legten besonderen Wert auf die Auswahl der Materialien. Das Neue ergänzt das Alte auf selbstverständliche Weise.
Flury + Furrer legten besonderen Wert auf die Auswahl der Materialien. Das Neue ergänzt das Alte auf selbstverständliche Weise.

Das ursprünglich in den 1930er Jahren gebaute Haus an der Klusstrasse in Zürich ist ein kleines Bijou; nach Eurem Umbau wirkt es frisch, gleichzeitig hat es dennoch etwas von der Patina seiner bisher gelebten Jahre behalten dürfen. Wie habt Ihr das Wohnhaus vor dem Umbau vorgefunden und mit welchen Wünschen ist die Bauherrschaft zu Euch gekommen?
Architekten Christoph Flury und Lukas Furrer: Das Haus wurde durch verschiedene Um­­bauten und Umgestaltungen über die Jahre stark verändert. Aber die Voraussetzungen waren gut, die ursprünglichen Qualitäten waren noch erkennbar und die Lage am Waldrand ist schlicht und einfach überwältigend. Die Bauherrschaft wünschte sich ein Haus als Lebensmittelpunkt für die vierköpfige Familie. Wie seid Ihr beim Entwerfen vorgegangen?
Architekten Flury und Furrer:
Das Haus hat relativ geringe Grundabmes­sungen und entwickelt sich eher in die Hö­­he. Die Funktionen im Erdgeschoss, also Eingang, Küche, Essen, Wohnen und WC behielten wir bei, auch die grundlegende Struktur beliessen wir. Mit präzise gesetzten Öffnungen schufen wir Bezüge zwischen den einzelnen Nutzungsbereichen. 

 

Nun fliessen die Räume ineinander über, bleiben aber klar ablesbar. Die Küche bekam einen Zugang zum Garten. Im Obergeschoss integrierten wir lediglich ein Bad. Das Dachgeschoss wurde vor dem Umbau nur teilweise als Wohnraum genutzt. Wir haben es zusätzlich mit einer Lukarne er­­hellt, so ist auf einfache Weise weiterer nutzbarer Raum entstanden. Wichtig war uns auch die sorgfältige Auswahl der hinzugefügten Materialien. Diese sollten die bestehenden auf selbstverständliche Weise ergänzen. Um die filigranen Fassadenelemente und die Proportionen des Hauses erhalten zu können, verzichteten wir auf eine Aussendämmung. Energetisch saniert wurden aber das Dach, die Fenster sowie die Kellerwände. Um ökologischen Aspekten Rechnung zu tragen, wurde eine Wärmepumpe installiert, die zusätzlich von Dachkollektoren unterstützt wird.

Trotz den geringen Abmessungen war nie ein Anbau, eine Erweiterung des Hauses geplant?

Architekten Flury und Furrer: Das Haus ist vor allem im Innern erweitert worden. Durch den Ausbau des Dachgeschosses, Umnutzungen von Teilen des Untergeschosses und mit der Optimierung des Grundrisses konnte genügend zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden. Seit vielen Jahren besteht Euer Architekturbüro aus zwei Personen. Das ist eher unüblich.

Hat sich das einfach so ergeben oder ist das eine be­­wusste Entscheidung?

Architekten Flury und Furrer: Das Büro klein zu halten ist eine sehr be­­wusste Entscheidung. Wir möchten die uns übertragenen Aufgaben vom Beginn bis zur Übergabe selbst begleiten und mit der Bauherrschaft zusammen entwickeln. In unserer kleinen Struktur ist dies bei den Grössenordnungen der Bauaufgaben sehr gut möglich. So haben wir direkten Kontakt zu verschiedenen Personen aus unterschiedlichen Berufen und Kulturen. Dass wir diese vielfältigen Aspekte verbinden können, bereichert unsere tägliche Arbeit.

Neben Eurer Arbeit als Architekten seid Ihr zu­dem sehr engagiert im Kunstbereich. Viele Jahre habt Ihr mit dem inzwischen verstorbenen Schweizer Künstler Hans Josephsohn gearbeitet und seid seither mit der Kunst verbandelt: Christoph Flury als langjähriger Geschäftsleiter des Material Archivs, Lukas Furrer als Ausstellungsmacher im Kesselhaus Josephsohn. Inwiefern beeinflusst die Nähe zur Kunst Euer Schaffen als Architekten?

Architekten Flury und Furrer: Durch die Auseinandersetzung mit der Kunst haben wir gelernt zu beobachten, Dinge immer wieder aus einer anderen Perspektive zu betrachten und auch die eigene Position stets aufs Neue zu hinter­fragen. Auch sind wir fasziniert davon, welch wichtigen Einfluss handwerkliches Geschick und das richtige Werkzeug auf ein Produkt haben kann. Beim Entwerfen von Architektur arbeiten wir deshalb oft mit Modellen, die wir selber bauen. Weiter interessiert uns auch das Material: Wie kann man es verarbeiten, womit lässt sich experimentieren, wie altert es? Die jahrelange Nähe zu Künstlern und ihren Werken hat unseren Umgang mit Materialien geschärft.

Welchen Schwerpunkt setzt Ihr in Eurer Architektur, wo seht Ihr Euren Beitrag?

Architekten Flury und Furrer: Im Mittelpunkt steht für uns der Mensch mit all seinen Möglichkeiten, seine Umgebung wahrzunehmen. Wir möchten unter Einbezug kultureller Hintergründe Atmos­phäre schaffen, mit der Geschichte der Orte und der Objekte arbeiten und diese weiterschreiben.

Womit kann man Euch beeindrucken, wann be­­rührt Euch Architektur?

Architekten Flury und Furrer:
Berührt werden wir von allen Werken, bei denen es gelungen ist, eine atmosphärische Dichte zu erreichen oder zu erhalten. Oft sind das Objekte, welche schon eine Geschichte haben, die entsprechende Spuren hinterlassen hat. Das können alte italienische Städte und urige Bergdörfer, aber auch erlesene zeitgenössische Werke sein.

Und zum Schluss würde uns noch interessieren: Wie wohnt Ihr selbst?

Architekten Flury und Furrer: Wir leben beide zur Zeit in der Stadt Zürich, sind aber in ländlichen Gebieten aufgewachsen, was uns sicher bis heute prägt. Lukas Furrer wohnt in einem Mehrfamilienhaus des Architekten Ernst Gisel, Christoph Flury in der Riedtlisiedlung. Somit haben wir beide das Glück, in architektonisch herausragenden Umfeldern leben zu können. Parallel dazu haben wir, jeder für sich, ein baufälliges Objekt in den Bergen vor dem Verfall gerettet und sind derzeit in der privilegierten Situation, diese Häuser eigenhändig umzubauen, wieder zum Leben zu erwecken und uns so selber ein Zuhause zu erschaffen.

Schweizer Architekten stehen Claudia Nuss­baumer, Geschäftsleiterin des Architekturforums Zürich, Rede & Antwort zu den Themen Umbau und Modernisierung. Das Architekturforum an der Brauerstrasse 16 in Zürich ist seit 30 Jahren ein Ort der Aus­einandersetzung mit aktuellen Positionen von Architektur und Städtebau. www.af-z.ch

 
 
Christoph Flury (rechts) und Lukas Furrerzoom

Christoph Flury (rechts) und Lukas Furrer haben beide am Technikum in Horw Architek­tur studiert und 1994 diplomiert. Danach haben sie bei unterschiedlichen Büros gearbeitet, bis sie 2001 das gemeinsame Architek­turbüro gründeten. Im letzten Jahr wurde das von ihnen sorgsam renovierte Hotel Militärkantine in St. Gallen vom Internationalen Rat für Denkmalpflege mit dem Preis des «Historischen Hotels des Jahres 2017» ausgezeichnet. Lukas Furrer arbeitet seit 2000 zudem in der Kunstgiesserei St. Gallen und als Mitarbeiter im Kesselhaus Josephsohn konzipiert er seit 2003 Ausstellungen. Chris­toph Flury war von 2001 bis 2005 Assistent Entwurf + Konstruktion beim HTA Luzern und von 2006 bis 2017 Geschäftsleiter beim Material-Archiv. Beide leben in Zürich.


Text: Claudia Nussbaumer , Fotos: Stephan Rappo
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 3/2018

Bezugsquelle:
Flury + Furrer Architekten GmbH
Feldstrasse 55
8004 Zürich
www.fluryfurrer.ch

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