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Zaungast bei Flechtart

Selbst Spaziergänger wissen, womit Salome Portmann und Simon Mathys ihr Geld verdienen. Denn die Passion der beiden Flechtwerkgestalter zeigt sich bereits an deren Gartenzaun.

 
 
Seit einigen Jahren fertigen Salome Portmann und Simon Mathys Geflechte für den Innen- und Aussenbereich.zoom
Seit einigen Jahren fertigen Salome Portmann und Simon Mathys Geflechte für den Innen- und Aussenbereich.

Das Haus, in dem Salome Portmann und Simon Mathys wohnen, ist nur unschwer zu verkennen. Ein jeder, der vorbeigeht, sieht bereits auf den ersten Blick die grossen Flechtwerkarbeiten, die wie organisch gewachsen in dem wildromantischen Garten stehen. Spätestens auf den zweiten Blick fallen die formschönen Weidenzäune auf, die das Grundstück einfrieden und man ahnt, wer hier wohnt, muss etwas mit dem alten Handwerk zu schaffen haben.

Ausprobiert und spezialisiert
Ein grosses Schild am Eingang bestätigt, dass hier die Flechtart GmbH zuhause ist. «Flechtart» sind Salome Portmann und Simon Mathys. Seit einigen Jahren fertigt das Duo gemeinsam Geflechte für den Innen- und Aussenbereich. Aus Weide und komplett in Handarbeit. Erst vor kurzem haben die beiden begonnen, sich auf Sichtschutzelemente zu spezialisieren. Ihre Zäune flechten sie ganz individuell vor Ort oder stellen einzelne Elemente auf ihrem Grundstück in Affoltern am Albis her. Geliefert wird dann innerhalb der gesamten Schweiz und in Liechtenstein. Auf Wunsch vermitteln «Flechtart» auch einen Gartenbauer, der die vorgefertigten Elemente sicher aufstellt.

 
 
Flechtwerkgestalter Simon Mathys flechtet Sichtschutzelemente.zoom
Flechtwerkgestalter Simon Mathys flechtet Sichtschutzelemente.
 
 

Selbständig als Flechtwerkgestalter arbeitet Simon Mathys bereits seit 2006. Damals waren die Sichtschutzelemente nur ein kleiner Teil im «Meer der Möglichkeiten, die das Flechthandwerk bietet». Simon Mathys schwamm darin mit Brennholzkörben, Stuhlgeflechten und freien Formen, versuchte seine Produkte auf Märkten zu verkaufen und gab Kurse für Interessierte. Das Arbeitsvolumen wuchs und er stellte Salome Portmann ein, die nach ihm im selben Ausbildungsbetrieb gelernt hatte. «Eigentlich konnte Simon sich mich gar nicht leisten», gesteht die junge Frau und schmunzelt in Richtung ihres Partners. Doch dann half das Schicksal der kleinen Firma auf die Sprünge. Die beiden Flechtwerkgestalter verliebten sich und gründeten 2014 gemeinsam eine GmbH.

Handarbeit und Aufklärungsarbeit
Mit reichlich Erfahrung im Gepäck haben Salome Portmann und Simon Mathys jetzt ihrem Unternehmen eine klare Richtung gegeben. «Es war nur logisch, den Schwerpunkt auf die Sichtschutz­elemente zu legen, denn die Anfragen häuften sich», so Simon Mathys. «Und die Leute erkennen endlich, was genau wir machen.» Der Erfolg an der diesjährigen Giardina in Zürich gibt den Flechtwerkgestaltern Recht. Noch nie war die Nachfrage so gross und der Erklärungsbedarf so gering. Flechten sei Handarbeit, erklärt Salome Portmann, aber auch Aufklärungsarbeit. «Wir wollen das Jahr­tausende alte Handwerk wieder marktfähig machen.» In Zeiten der Globalisierung gar nicht so einfach. Die meisten Geflechte kommen aus Asien und sind wesentlich billiger als die Produkte von «Flechtart». Doch die Flechtwerkgestalter halten dagegen: Mit ihrer Erfahrung und der hohen Qualität ihrer Produkte. Auf einen Zaun geben sie zwei Jahre Garantie, bei richtiger Pflege hält das Geflecht allerdings acht bis zehn Jahre, der Rahmen sogar 15 bis 20 Jahre.

Stangen aus Rundstahl halten das Geflecht aus mehrjähriger Weide in Form.zoom
Stangen aus Rundstahl halten das Geflecht aus mehrjähriger Weide in Form.
Flechten ist Handarbeit. Und manchmal auch mit Kraft verbunden.zoom
Flechten ist Handarbeit. Und manchmal auch mit Kraft verbunden.
 

Für jeden das Richtige
Insgesamt drei unterschiedliche Zaunmodelle bietet «Flechtart» momentan an. Modell «Unico» ist – wie der Name bereits vorwegnimmt – das Unikat in der Serie. Es wird direkt vor Ort, ganz indivi­duell und dem Grundstück entsprechend auf Mass gefertigt. Stangen aus Rundstahl halten das Geflecht aus mehrjähriger Weide in Form. Länge und Höhe sind nahezu unbegrenzt, Rundungen im Zaunverlauf sowie gestufte und geschwungene Höhenunterschiede problemlos möglich. Für ein «Unico»-Projekt kommen Salome Portmann oder Simon Mathys persönlich vorbei. Anders bei den Modellen «Ligno» und «Fero». Diese werden meist auf Bestellung in der Hauseinfahrt oder im Garten in Affoltern vorgefertigt. Die Flechthandwerker bieten gewisse Elementgrössen an, fertigen auf Wunsch aber auch an­­dere Abmessungen und Ausführungen. «Ligno» besteht aus einem Lärchenholzrahmen, der mit dickerer, frischer Weide beflochten wird, in dem Stahlrahmen von «Fero» hingegen wird feine, trockene Weide verflochten.

Geschmeidig bleiben
Die frischen Weidenzweige werden zwischen Dezember und Juni verarbeitet. Wer also denkt, Salome Portmann und Simon Mathys arbeiten in schönster Sommersonne, irrt. Denn nur während der wenigen Wintermonate wird die Weide geschnitten. Blattlos bietet sie eine bessere Qualität. Das Material kommt aus Belgien oder Dänemark. «Wir sind froh um unsere Lieferanten», so Simon Mathys. «Es würde sich überhaupt nicht lohnen, wenn wir die Weide wie unsere Vorgänger selbst schneiden müssten.» Die frische Weide wird auf die passende Breite der gewünschten Zaunelemente geschnitten und nur kurz eingelagert. Bevor die Flechthandwerker sie verarbeiten, weichen sie sie kurz ein. Anders bei trockener Weide. Die muss 14 Tage lang im Wasser bleiben, bevor sie verarbeitet wird, was auch zwischen Juni und Dezember geschehen kann. Dann muss es allerdings schnell gehen, denn die eingeweichte Weide bleibt nur zwei bis fünf Tage lang biegsam und ein erneutes Einweichen ist nicht möglich.

Die Schönheit liegt in der Einfachheit
Das Flechten ist ein vergleichsweise bescheidenes, schlichtes Handwerk, die geflochtenen Produkte wecken Emotionen und Er­­innerungen. Simon Mathys ist froh, dass er nicht in gros­se Maschinen und Hallen investieren musste, um das Unternehmen aufzubauen. «Eine Gartenschere, einen grosser Hammer, Einweichwannen und einen Hänger, mehr brauchen wir nicht, um unser Handwerk auszuüben.» Wozu der Hammer? «Ohne dessen Kraft wird das Geflecht nicht dicht genug.» Das kleinste Standard-Element von «Flechtart» ist 120 mal 120 Zentimeter gross und nimmt mit Vorbereitung zirka fünf Stunden Flechtarbeit in Anspruch. Wer die beiden Flechthandwerker bei der Arbeit beobachtet, erkennt schnell, im letzten Stück eines Zaunelements steckt die meiste Arbeit. Hier wird es einfach immer enger und der nötige Freiraum fehlt, da ist Erfahrung gefragt. Salome Portmann und Simon Mathys sind bodenständig und sehen sich als Handwerker. «Wir sind keine Künstler», erklärt Salome Portmann entschieden, «können aber auch Kunst machen.» Der beste Beweis dafür steht neben den Zäunen in Form von nestartigen Geflechten im Garten in Affoltern.

Eine Gartenschere, einen grosser Hammer, Einweichwannen und einen Hänger, mehr brauchen die Flechtwerkgestalter nicht, um ihr Handwerk auszuüben.zoom
Eine Gartenschere, einen grosser Hammer, Einweichwannen und einen Hänger, mehr brauchen die Flechtwerkgestalter nicht, um ihr Handwerk auszuüben.

Text: Kirsten Höttermann, Fotos: Gaëtan Bally
aus: Häuser modernisieren, Heft Nr. 03/2017

Bezugsquellen: 
Flechtart GmbH
Salome Portmann und Simon Mathys
8910 Affoltern a.A.
Tel. 043 817 15 49
www.flechtart.ch

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